Die Lösung

Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Copilot)
Sie hatte jetzt zwar ein Schriftstück, das ihr vielleicht hätte weiterhelfen können, aber dessen Bedeutung sie jedoch nicht wusste. Erlux, auf den sie ihre ganze Hoffnung gerichtet hatte, war schwer verwundet und wurde in einen Mantel dunkler Magie gefangen gehalten, den sie nicht durchbrechen konnte.
Also blieb ihr nichts anderes zu tun, als dafür zu sorgen, dass ihre Notizen nicht in falsche Hände gelangten. Und deswegen brachte sie sie dorthin, wo sie alle ihre kleinen und großen Schätze aufbewahrte und von dessen Ort niemand auch nur wusste, dass sie ihn kannte.
In dieser Nacht konnte Tivana keine Ruhe finden, immer wieder kehrten ihre Gedanken zu Erlux zurück und zu Gordim und dem durch ihn Erlebten. Wer hatte Erlux das angetan? Wer konnte ihr jetzt nur noch helfen? Wo ist diese Höhle nur? Ob wohl noch jemand von der Tafel weiß? Und wer mag sie dort wohl aufgestellt haben?
Selbstverständlich wusste Tivana die Antworten nicht und sie wusste auch, dass alles Grübeln nichts bringen würde, also beschloss sie, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Vielleicht würde sie auch noch Tafius finden, der auch seit einigen Tagen wie vom Erdboden verschluckt zu sein schien.
Doch sie konnte ihren Freund nicht finden und so legte sie sich schließlich doch weinend ins Bett und schlief erschöpft ein.
In dieser Nacht hatte sie eine Begegnung, die ihr zwar einige Antworten bzw. Hinweise gab, doch die sie auch sehr erschreckte.
Ein hellscheinendes Wesen stand neben ihrem Bett und schaute sie an, ohne ein Wort zu sagen. Erschrocken war Tivana eigentlich nicht, denn sie hatte ja schon so einige merkwürdige Erfahrungen gemacht. Sie setzte sich auf und sagte einfach: „Hallo.“ Das helle Wesen sagte noch immer nix und Tivana legte sich wieder hin, schloss die Augen und döste wieder ein. Doch das Wesen rüttelte sie sanft wieder wach.
„Tivana… du bist schon so groß geworden, mein Kind, und so stark und mutig. Ich bin richtig stolz auf dich…“ Tivana rieb sich die Augen… konnte es wirklich sein? War ihre Mutter erschienen?
„Mutter?“
„Ja, mein Kind, ich bin es. Aber ich habe nicht lange Zeit, also unterbrich mich bitte nicht. Es ist von sehr großer Wichtigkeit, dass du mir genau zuhörst.“
„Okay, Mutter.“ sagte Tivana und schwieg.
Einige Zeit später schlief Tivana wieder, aber sehr unruhig, denn die Worte ihrer Mutter ließen ihr einfach keine Ruhe. Sie würde am nächsten Tag einiges zu tun haben und es war sehr wichtig, dass sie dabei nicht versagte. Tafius hätte ihr vielleicht helfen können, doch sie wollte ihn da nicht mit hineinziehen, denn es war zu gefährlich, und so wollte sie ihren Freund nicht in Gefahr bringen.
Gerade ging die Sonne auf, Tivana schreckte und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Dann fiel ihr die letzte Nacht wieder ein und schnell sprang sie aus dem Bett. Als Erstes musste sie allen im Dorf sagen, dass sie ein paar Tage im Wald verbringen würde, um mal zu entspannen. Auch wenn es ihr keiner glauben würde und alle sich fragen würden, was sie jetzt wohl wieder ausfressen will, so war es doch die einzige Möglichkeit, Tafius davon abzuhalten, mit ihr zu kommen. Sicher, er würde sie suchen gehen, aber da sie nicht im Wald sein würde, konnte er suchen, so lange er wollte. Damit wäre er dann erstmal abgelenkt.
Sie grinste, denn dieser Teil ihrer Aufgabe war sehr einfach. Sie würde es Rosaly anvertrauen und schon einige Minuten später wüsste jeder im Dorf, wo Tivana hinwollte.
Nachdem sie sich einige Vorräte eingepackt hatte, ihr Messer im Stiefel versteckt hatte und auch ihre anderen Waffen gut verstaut waren, machte sie sich auf den Weg. Am ungefährlichsten wäre es zwar quer durch den Wald gewesen, aber Tivana wusste, dass sie so nie ungesehen an ihrem Ziel ankommen würde. Also machte sie sich schon mal darauf gefasst, dass ihr der widerliche Scharboss auf die Pelle rücken würde. Aber das sollte sie nicht abschrecken.
Doch sie hatte Glück, zwar sah sie den Dämon, aber er war gerade in ein Streitgespräch mit einem anderen Dämon verwickelt und so nahm er Tivana nicht wahr. Erleichtert atmete sie auf.
Sie ließ den Friedhof hinter sich, ging den Fluss entlang und suchte eine möglichst schmale Stelle, um ihn zu überqueren. Schließlich kam sie am Fuß der Berge an, die dunkel vor ihr emporragten. Doch diese waren nicht ihr Ziel. Inzwischen stand die Sonne hoch am Himmel. Tivana machte eine Rast, aß etwas Käse und setzte sich in den Schatten eines Baumes. Dabei schlief sie ein.
Als sie erwachte, ging die Sonne gerade unter und Tivana schimpfte mit sich selber, denn sie hatte kostbare Zeit verloren. Und so wurde es dunkle Nacht, als sie endlich ihr Ziel erreicht hatte. Jetzt würde der schwierigste, gefährlichste Teil kommen, doch Tivana war sich bewusst, dass sie keine Angst haben durfte, denn sie war die einzige, die diese Aufgabe erfüllen konnte. Und es war ihr wichtig, endlich eine Frage beantworten zu können. Auch wenn es wirklich sehr riskant war, ihre Mutter hatte ihr die Lösung gezeigt und Tivana war fest entschlossen, den Weg, der vor ihr lag, zu gehen.
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