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Erlux Hütte
- schritt ins unbekannte -

Erlux Hütte
Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Copilot)

Das kleine Mädchen schaute sich um. Es wusste, es hatte selber Schuld, aber wenn es ehrlich mit sich selber war, verspürte es keine Reue. Es gab doch so viel Schönes zu entdecken, und wen interessierten schon die Gefahren? Tivana musste allerdings auch zugeben, dass sie sich etwas verlaufen hatte. Nichts gab ihr einen Hinweis darauf, wie sie wieder nach Hause finden konnte, doch sie war nicht erschreckt, sie blickte sich noch einmal um und ging dann zielstrebig weiter.
Plötzlich entdeckte sie ein kleines Häuschen, das einen eher verlassenen Eindruck erweckte. Unschuldig, wie sie war, öffnete sie die Tür und trat ein.

„Hallo, wen haben wir denn da?“
Erschrocken zuckte Tivana zusammen und blickte zu dem riesigen Mann auf, der in einer dunklen Ecke stand.
„Wer… wer bist du?“, fragte sie mehr überrascht als ängstlich.
„Mein Name ist Erlux, und wie wirst du genannt?“
„Tivana.“
„Hallo Tivana, was hat dich in meine bescheidene Hütte geführt?“
Mit diesen Worten trat er aus der dunklen Ecke heraus ins Licht, und Tivana konnte sehen, dass er eine Mönchskutte trug. Staunend schaute sie ihn an und wusste nicht, was sie sagen sollte. Klar, sie hatte von diesen komischen Menschen schon gehört, doch ihn plötzlich vor sich zu sehen, machte sie doch sehr sprachlos. Schließlich erzählte man sich, er würde kleine Kinder rauben, um sie dann zu essen.
„Willst du mich jetzt essen?“, fragte das Mädchen schließlich herausfordernd. Verwundert vernahm sie dann das tiefe Lachen, das aus Erlux’ Mund erklang.
„Keine Angst, kleines Fräulein, mein Hunger ist bereits gestillt. Komm her zu mir und erzähle mir, wie du in diese verlassene Gegend gefunden hast.“

Tivana setzte sich und behielt den Mönch misstrauisch im Blickwinkel, während sie sich im Raum umsah.
Erlux schätzte das Mädchen auf ungefähr sechs Jahre, und er konnte in ihren Augen etwas erkennen, was er schon oft gesehen hatte – ein Feuer, das alles mit Neugier und überschäumender Lebenskraft in sich aufnahm. War sie es, auf die er gewartet hatte? War sie die Person aus seinen Visionen? Aber das konnte doch nicht sein, sie war ein Mädchen und noch so klein. Er musste sich irren. Und doch – dieses Feuer sah er seit Jahren fast jede Nacht im Traum.

„Ach, weißt du, ich bin so durch die Gegend gegangen und habe mich einfach nur etwas umgeschaut. Und da bin ich hier gelandet. Ich wusste gar nicht, dass hier ein Haus steht. Na ja, so weit bin ich bisher ja auch noch nie gegangen.“ Diese Worte rissen Erlux aus seinen Gedanken.
„Und wieso läufst du alleine durch die Gegend, haben deine Eltern dir denn nicht gesagt, dass es gefährlich sein kann?“
„Doch, mein Vater sagte es mir, aber ich habe keine Angst, ich bin stark und kann auf mich selber aufpassen.“ Tivana beobachtete den Mann vor sich stumm, und ganz plötzlich hob sie ihre rechte Hand und legte sie auf seinen linken Arm.
„Du bist ein guter Mensch, warum erzählen die Leute so ein Blödsinn über dich?“
„Wie kommst du darauf, dass ich gut bin und es nicht stimmt, was über mich gesagt wird?“
„Weil ich es einfach weiß.“ Tivana schaute in Erlux’ Augen, und mit einem Mal wusste dieser, dass sie es war – die Person aus seinen Träumen.

Der Mann und das Mädchen redeten lange Zeit miteinander, und später brachte er sie nach Hause. Ihrem Vater erzählte Tivana nichts von ihrem neuen Abenteuer, auch nicht, dass sie nun regelmäßig zu Besuch bei dem Mönch war und erst recht nicht, was er ihr alles beibrachte....