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Tafius El’Ravel
- die geschichte beginnt -

Tafius
Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Copilot)

An einem Baum gelehnt saß Tafius etwas außerhalb des Dorfes. Gedankenverloren blickte er gen Himmel. Es war ein warmer Sommertag und alles hätte so schön sein können. Er hatte eine Menge neuer Freunde, ein wunderschönes Haus. Doch seine Gedanken, seine Erinnerung ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.
Er dachte zurück an sie, meinte sogar ihr Lachen zu hören. Und sein Herz schmerzte dabei. Wie sollte er es schaffen, sie aus seinen Gedanken zu verbannen? Wie sollte er seine Liebe zu ihr in seinem Herzen erlöschen lassen?
Ela'Varia.... würde er sie je wiedersehen? Er bezweifelte es. Dachte sie noch an ihn? Er wünschte es sich, doch tief in seinem Herzen wusste er, dass es besser wäre, wenn sie ihn vergessen hätte. Niemals wäre ihre Beziehung glücklich geworden, dafür hätte ihr Vater schon gesorgt. Schließlich hatte König El'Daronx den für ihn unwürdigen Freund seiner Tochter aus dem Elfenland verbannt und dessen Hochzeit mit seinem besten Mann Elrom verkündet. Das lag jetzt beinahe drei Jahre zurück, und Tafius nahm stark an, dass die Hochzeit schon stattgefunden hatte und bestimmt schon einige Elflinge das Licht der Welt erblickt hatten....

Was soll's, dachte Tafius, vielleicht ist es besser so, ich hätte ihr nie etwas bieten können. Letztlich wäre sie wahrscheinlich von ihrem eigenen Vater verstoßen worden und das hätte sie sehr unglücklich gemacht. Tafius versuchte, an etwas anderes zu denken, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Immer wieder sah er Ela'Varia vor seinem inneren Auge, hörte ihr Lachen, sah ihre Tränen beim endgültigen Abschied....

Ganz unverhofft verspürte er einen leichten Schmerz, und bevor er feststellen konnte, wodurch er verursacht wurde, landete eine kleine Gestalt auf seinem Schoß.
„Hast du Zeit?“
„Tivana, musst du dich immer so anschleichen? Und was machst du hier? Dein Vater hat dir doch verboten, Inocencia zu verlassen, nachdem, was du letzte Woche angestellt hast…“
„Ach, Papperlapapp, Papa weiß doch nicht, dass ich nicht mehr im Dorf bin, und ich weiß genau, dass du es ihm nicht sagen wirst.“ Frech grinste das Mädchen ihm ins Gesicht.
Und damit hatte sie recht, er hatte die Kleine in sein Herz geschlossen und sie brachte es immer wieder fertig, ihn um ihren kleinen Finger zu wickeln.
„Was hast du denn heute wieder vor? Wollen wir zum Teich und Frösche fangen?“ Tafius wusste genau, dass Tivana es verabscheute, die kleinen Tiere zu quälen, aber er liebte es, sie damit aufzuziehen.
„Pah… das machen doch nur dumme Jungen. Ich habe was viel Besseres vor. Was Abenteuerliches.“ Als sie ihn verwegen anzuschauen versuchte, musste der Elf sich das Lachen verkneifen.
„Willst du etwa wieder der Küchenmagd vom Wirt nachstellen, um zu sehen, wer heute ihr armes Opfer ist?“ Frech grinste er seiner kleinen Freundin ins Gesicht.
„Du bist ja heute wieder sowas von witzig, Tafius.“ Schmollend wandte Tivana sich ab.
„Ach, sei nicht so, war doch nur ein Scherz. Aber es war letzte Woche auch zu lustig, wie Rosaly dich dabei ertappte und den Krug mit kaltem Wasser über deinen Kopf auskippte.“ Jetzt musste Tafius wirklich lachen und Tivana stimmte mit ein.
„Du hast aber auch dein Fett von ihr wegbekommen. Denn du bekamst ihren Krug zu spüren.“ Tafius fand diese Erinnerung jetzt gar nicht mehr so witzig und wurde wieder ernst.
„Okay, Kleine, was hast du denn nun heute vor?“
„Ich will zur Burg.“ Erwartungsvoll schaute Tivana Tafius ins Gesicht.
„Nein!“
„Och man, was ist denn schon dabei? Wir schleichen uns durchs Tor und schauen uns etwas um. Vielleicht sehen wir ja sogar Prinz Martiesch.“
„Und vielleicht, wenn wir ganz viel Glück haben, sieht uns Königin Bojan und wir lernen dann auch gleich noch ihren Kerker kennen. Nein, Tivana, es ist viel zu riskant und das weißt du auch ganz genau. Und wenn dir etwas zustößt, macht dein Vater und der Rest des Dorfes mir die Hölle heiß, und ich selber mache mir dann auch die schlimmsten Vorwürfe.“
„Dann gehe ich eben alleine. Also, was ist? Kommst du jetzt mit, oder lässt du mich alleine gehen?“

Tivana rechnete damit, dass ihr Freund jetzt sein "Okay" geben würde, doch da versah sie sich. Auch wenn er ihr sonst immer nachgab, diesmal nicht, denn es war zu gefährlich, die Burg zu betreten. Und alleine traute sie sich nicht, in Bojans Reich einzutreten.
Tafius überlegte. Tivana war alles zuzutrauen. Das Mädchen hatte vor fast nichts Angst und er musste verhindern, dass sie einen großen Fehler machte. Doch was konnte sie umstimmen? Was würde sie davon abhalten, dieses Risiko einzugehen? Er dachte an einen Besuch beim Mönch, das müsste für Tivana auch aufregend sein. Doch sobald er seinen Gedanken laut ausgesprochen hatte, vernahm er ihr Lachen.
„Okay, Tafius, will ich dir mal recht geben, dann lass uns Erlux besuchen.“

Verwundert schaute er dem Mädchen hinterher, das mit schnellen Schritten verschwand. Dann blieb sie stehen, schaute über die Schulter und fragte, wo er denn bleiben würde. Tafius musste erkennen, dass Tivana schon die Bekanntschaft mit dem Mönch gemacht hatte, aber das wunderte ihn nicht wirklich. Das Mädchen scheute keine Gefahren, zeigte keine Angst, und in schon so mancher Situation musste er sie vor ihrer eigenen Tollkühnheit retten.
So folgte er ihr schnell und war neugierig, was ihn jetzt wohl wieder erwarten würde....
Am Ende des Tages dachte Tivana nicht mehr über einen Besuch in Bojans Reich nach. Sie freute sich schon auf den morgigen Tag, denn Tafius würde sie dann auch wieder begleiten, wenn sie Erlux aufsuchte und etwas lernen würde. Denn es stellte sich heraus, dass Tafius einige Sachen wusste, von denen der Mönch keine Ahnung hatte, und die beiden hatten beschlossen, dass auch dieses Wissen für Tivana eines Tages von Bedeutung sein könnte.
So zogen die Jahre ins Land. Erlux brachte ihr viele Geheimnisse bei, von ihrem Vater lernte sie, sich selber zu verteidigen, und mit Tafius erlebte sie eine Menge lustiger Abenteuer. Und er erzählte ihr viele fantastische Geschichten aus seiner Heimat, wodurch sie das Volk der Elfen näher kennenlernte, auch deren Sprache und andere Dinge, die sonst nur Elfen wussten.