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Die Tafel
- im licht der zeichen -

Die Tafel
Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Copilot)

Eine Woche später passierte es dann. Tivana hatte nichts Bestimmtes vor und schlenderte durch die Gegend. Das Dorf hatte sie längst hinter sich gelassen und wanderte Richtung Friedhof, als plötzlich wie aus dem Nichts eine Hand auf ihre Schulter gelegt wurde.
Erschrocken blickte sie sich um und sah direkt auf eine breite Brust.
„Kleines Mädchen, was machst du hier, willst du mein Spielzeug sein, darf ich dich jagen.“
Tivana ließ ihren Blick langsam nach oben wandern. Ein Schauer lief ihren Rücken herunter, als sie in das Gesicht des Fremden blickte. Eine tiefe Narbe verlief quer über die Wange, am rechten Auge vorbei und verschwand schließlich etwas oberhalb des Haaransatzes. Eiskalte blaue Augen funkelten sie herausfordernd an.
„Scharboss, lass die Kleine sofort los.“
Tivana sah, wie sich die Augen verdunkelten und von blau in schwarz übergingen und drehte sich ruckartig um. Dort stand er, breitbeinig und unerschütterlich, Gordim. Er sah Scharboss unverwandt an und Tivana spürte, wie dieser seine Hand langsam hob. Als sie sich schließlich von ihrem Schock erholt hatte und sich wieder umwandte, um diesem Scharboss ihre Meinung zu sagen, war niemand mehr hinter ihr.

„Gordim, wer war das? Wo ist er hin? Was wollte er von mir und was machst du hier? Ich suche dich schon seit Tagen. Wo warst du.“ „Nicht so viele Fragen auf einmal.“ Grinsend kam Gordim auf Tivana zu und nahm sie in die Arme.
„Das war Scharboss, der Führer der Dämonen, mit ihm ist nicht zu spaßen. Und ich denke, er ist wieder auf dem Friedhof verschwunden.“
„Gordim, ich kenne dich ja eigentlich nicht, aber ich finde, du musst mir mal einiges erklären.“
„Nein Tivana, muss ich nicht. Irgendwann, wenn die Zeit reif ist, wirst du wissen, was du wissen musst, aber jetzt ist die Zeit für Erklärungen noch nicht gekommen.“
„Man, du redest wie Erlux, ich ertrage es echt nicht mehr. Was ist los? Was soll die ganze Geheimnistuerei.“
„Erlux… wie geht es meinem alten Freund.“
„War mir jetzt irgendwie klar, dass du ihn kennen würdest, mich wundert eh nichts mehr. Ach macht doch alle, was ihr wollt, mir ist das jetzt echt alles zu doof.“
Tivana wollte gehen, sie hatte genug. Sie wollte nicht mehr grübeln, sie wollte zu ihrem Freund, dem Elfen. Mit ihm würde sie ihren Spaß haben, konnte einfach sie selber sein, ohne etwas lernen zu müssen, und er würde auch nicht in Rätseln mit ihr reden.
„Halt… ich muss dir etwas zeigen, bevor du gehst.“ Mit diesen Worten nahm er Tivanas Hand und um sie herum wurde alles dunkel.

Als sich die Dunkelheit legte, befand Tivana sich in einer Höhle. Sie konnte nicht viel erkennen, aber etwas weiter vor ihr sah sie ein helles Licht. Sie schaute sich nach Gordim um, doch sie sah ihn nicht.
„Na toll, erst führt er mich hierher und dann ist er verschwunden. Heute ist echt nicht mein Tag.“
Langsam ging sie auf das Licht zu und es hätte sie nicht weiter gewundert, wenn aus dem Nichts eine ganze Horde Dämonen gekommen wäre. Doch nichts rührte sich und als sie schließlich an der Lichtquelle angelangt war, erkannte sie eine Tafel, auf der etwas eingraviert war. Doch sie konnte die Worte nicht lesen. Sie waren in einer ihr fremden Schrift geschrieben.
Sie machte sich schnell Notizen, denn eins der Dinge, die Erlux sie gelehrt hatte, war, dass alles auf irgendeine Art von Bedeutung war. Und Tivana nahm an, Gordim hatte sie nicht ohne Grund in diese Höhle geführt. Kaum hatte sie Zettel und Stift wieder in ihren Rucksack verstaut, wurde alles wieder schwarz um sie herum und wenige Sekunden später befand sie sich wieder nahe dem Friedhof. Doch von Gordim war weit und breit nichts zu sehen.

So machte sich Tivana auf, Erlux einen Besuch abzustatten, denn er würde ihr mit Sicherheit sagen können, was es mit der Tafel auf sich hatte....
Doch als sie bei ihm ankam, fand sie seine Hütte verlassen vor. Und es sah so aus, als wäre ihr Freund nicht, wie so oft schon, einfach auf der Suche nach neuem Wissen, nein, es sah eher so aus, als wäre er nicht freiwillig gegangen, denn in seiner Hütte sah es aus wie nach einem Kampf. Sie ging wieder hinaus, um sich auf die Suche nach Hinweisen zu machen, doch was sie schließlich fand, ließ ihr Herz einige Schläge lang stillstehen.
Im Schatten einer Trauereiche lag er. Aus einer Wunde am Hals lief rotes Blut und bildete neben seinem Kopf eine Lache. Doch das war noch nicht das Beunruhigendste. Um ihn herum war eine Art Mantel aus pulsierendem Licht gehüllt und als Tivana diesen mit ihrer Hand berührte, wurde sie mit voller Wucht weggeschleudert.

Nun stand sie alleine im Wald, wusste nicht, was sie machen sollte, keiner konnte ihr sagen, was um sie herum geschah, wie sie Erlux retten konnte und alle ihre Freunde verschwanden nach und nach. Und sie fühlte sich allein und hilflos....