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The First Wave - Nala & Tivana
- geheimnisse - die entstehung der welt -
Die Reise beginnt, und doch klingt es so, als hätten wir ein Buch in der Mitte aufgeschlagen und wären dort einfach mit dem Lesen angefangen. Man hat Fragen, die unbeantwortet bleiben.... ist ratlos wie man das Gelesene verstehen soll.... Geheimnisse und Andeutungen, deren Sinn man nicht versteht....


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Der Wald lag in völliger Stille, nur das Feuer, welches etwas Licht und Wärme spendete, knisterte leise vor sich hin. Die alte weise Frau, deren Augenlicht schon lange erloschen war, stand am Feuer und lauschte den Geräuschen der Nacht. Ein langer beschwerlicher Tag lag hinter ihr, dem noch viele nicht weniger harte Tage folgen würden, bevor ihr Werk vollbracht war. Aber jetzt musste sie erstmal eine unplanmäßige Ruhepause einlegen. Nicht, dass sie diese nicht bitter nötig gehabt hätte, aber dadurch kam ihr ganzer Zeitplan ins Wanken. Doch das kleine Mädchen an ihrer Seite brauchte dringend Schlaf, und die Dunkelheit, der unwegsame Boden sowie die fehlende Sicht machten ein Weiterkommen schlicht unmöglich. Sie schob die unliebsamen Gedanken an eine mögliche dunkle Zukunft beiseite, beugte sich vor und strich behutsam über den Kopf des Mädchens, welches es sich zu ihren Füßen bequem gemacht hatte. Daraufhin hob dieses müde den Kopf und ergriff die Hand der alten Frau.
„Nana Nala, bitte erzähl mir eine Geschichte.“
Nala musste nicht lange überlegen, schließlich war es wichtig, dass sie ihre Enkelin behutsam auf die Aufgabe, die vor ihr lag, vorbereitete. Das unerwartete Zusammentreffen mit Tivana hatte also auch seine Vorteile. Und mit etwas Glück würde Nala ihr eigentliches Ziel trotz des Umwegs über Inocencia, das Dorf, in dem Tivana mit ihrem Vater lebte, noch rechtzeitig erreichen.
„Mein Kind, dann lausche nun meinen Worten. Ich erzähle dir jetzt die längst vergessene Geschichte vom Anfang allen Seins. Nur wenige kennen sie noch und unsere Familie kann sich glücklich schätzen zu diesen Wenigen zu gehören. Seit Generationen wird sie weitergegeben, in der Hoffnung, dass sie niemals ganz in Vergessenheit gerät.“

Die Entstehung – Das Große Nichts erwacht zum Leben

"Am Anfang herrschte das Große Nichts. Es gab keine Klänge, keine Farben, ja noch nicht einmal Licht und Dunkelheit. Raum und Zeit existierten nicht, nur endlose Weite. Das Große Nichts schlief, regte sich nicht. Doch dann, und keiner kann sich erklären warum, erwachte sein Bewusstsein. Tief in seinem Inneren begannen sich Gefühle zu formen und mit ihnen entstand die Zeit. Aber mit der Zeit fühlte sich das Große Nichts verloren in der Unendlichkeit. Es sehnte sich nach mehr. Und so entstand der Raum.

Das Große Nichts 1
Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Stable Diffusion)

Nun war es jedoch in Raum und Zeit gefangen und nur Leere rund herum. Trostlosigkeit machte sich breit, aus ihr heraus entstanden Farben. Die Leere war jetzt angefüllt und das Große Nichts empfand zunächst Zufriedenheit. Aber dieser Zustand währte nicht lange, denn ohne Veränderung stellte sich Langeweile ein. So entstanden Licht und Dunkelheit, und mit ihnen wurden Tag und Nacht geboren. Zu dieser Zeit begann das Große Nichts zu denken, und es erkannte, dass all die Veränderungen durch seine eigenen Gefühle entstanden waren. Es beschloss, mit dieser Erkenntnis zu experimentieren. Es lernte durch seine Gedanken bewusst Einfluss auf sein Umfeld zunehmen. Es mischte die Farben, die miteinander verschmolzen und dadurch neue Farbschattierungen erhielten. Außerdem bildeten sie Formen. Nachdem dem Großen Nichts klar wurde, wozu seinen Gedanken in der Lage waren, wollte es ihnen eine schützende Hülle geben. So kam es, dass das Große Nichts inmitten von Raum und Zeit Gestalt annahm.

Die Gedanken des Großen Nichts wurden komplexer und sein Bewusstsein nahm immer mehr Gefühle wahr. Es bekam Angst, fühlte sich hilflos und vergoss bittere Tränen, die zu seinen Füßen unzählige kleine Pfützen bildeten. Als das Große Nichts dies sah, war es fasziniert, die Angst war vergessen und nach und nach entstand in seinem Kopf das Bild einer wunderschönen Welt.

Das Große Nichts 1
Foto & Postwork: Morgan MacAilis (Stable Diffusion)

Die Tage vergingen und eines Nachts fühlte sich das Große Nichts einsam. In seiner Sehnsucht nach Gesellschaft erschuf es vier Wesen, die ihm ähnelten. Doch diese Schöpfung brachte unerwartete Schwierigkeiten mit sich. Während das Große Nichts die Gefühle und Gedanken dieser Wesen verstehen konnte, war dies untereinander nicht der Fall. Also lernte es sie sprechen und nannte sie fortan die Narasiyes.
In der Dunkelheit erschaffen, scheuten die Narasiyes jedoch das Tageslicht. Das Große Nichts musste erkennen, dass sie, trotz aller Bemühungen, ihre Angst vor der Helligkeit zu überwinden, Geschöpfe der Nacht blieben. Das Tageslicht schwächte sie, sodass sie nur in der Dunkelheit aktiv sein konnten. Um ihnen zu helfen, beschwor das Große Nichts vier weitere Geschöpfe herauf, die Maraszies. Diese erblickten bei Tagesanbruch das Leben. Es kam, wie es kommen musste. Sie fürchteten sich bei Nacht, die Dunkelheit schwächte sie, darum waren sie nur am Tage aktiv. In der Zeit des Übergangs, wenn Tag und Nacht sich berühren, bildeten beide Gruppen jedoch auf ihre eigene Art eine Einheit. Fortan nannten sie das Große Nichts »VA'OHN«."
Als Tivana herzhaft gähnte, unterbrach Nala sich.
„Nana, bitte erzähle weiter. Wie löste Va’ohn dieses Problem und was wurde aus den Narasyes?“
„Nein, Kleines, für heute reicht es. Schon vor Tagesanbruch müssen wir weiter, jetzt ist es höchste Zeit sich schlafen zu legen. Da vor uns ein weiter Weg liegt, wirst du die ganze Geschichte erfahren haben, bevor wir zu Hause bei deinem Vater angekommen sind. Und nun wünsche ich dir eine Gute Nacht.“

Tivana wünschte ihrer Großmutter eine Gute Nacht, schloss die Augen und war innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen.