Stories & Co

Gedankengänge | Gedichte & Texte | Sprüche & Weisheiten


Sammlung der letzten Jahre. Sinnvoll und inhaltslos - frei interpretierbar.
Neben dem Fotografieren und basteln am Pc habe ich Phasen, in denen ich etliche Gedankengänge niederschreibe. Nicht in Form eines Tagebuchs, eher einfach das, was mir zu bestimmten Situationen durch den Kopf schoss. Es mag nicht immer alles ganz klar und verständlich ausgedrückt sein. Und vielleicht interpretiert man meine Texte auch anders als ich sie empfunden habe während sie sich in meinem Kopf bildeten und zu Papier flossen. Aber das spielt für mich keine Rolle, denn ich bin der Meinung, das jeder Mensch gelesene Worte für sich selber "lesen" sollte. Auf sich und sein Leben bezogen, sind sie bestimmt auf viele verschiedene Arten auslegbar. Wie auch immer....




Der See

Regungslos verharrt die Frau am Ufer eines Sees. Das Licht der untergehenden Sonne bricht sich in dem leicht wellenden Wasser. Einsam rollt eine Träne ihre Wange herunter. Doch sie merkt es nicht, sie nimmt nichts um sich herum wahr. Sie konnte noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, wo sie sich befand und wie sie hierher gelangt war. Stundenlang irrte sie ziellos durch die Strassen. Sie wollte Ruhe und schließlich hat sie sich an diesem See wieder gefunden.
Sie blickt in die Tiefe des Gewässers, eine Stimme scheint sie zu rufen, doch sie vermag sich nicht zu bewegen. Verworrene Gefühle suchen sie heim, sie ist zu keinen klaren Gedanken fähig. Nur Schmerzen herrschen in ihr. Sie steht vor dem Nichts, hat alles verloren. Fühlt sich einsam, allein, er hat sie verlassen. Wegen einer Anderen, wegen einer Jüngeren. In ihr ist eine Welt zerbrochen. Sie hat alles für ihn aufgegeben, hätte alles für ihn getan, doch er wandte sich von ihr ab.
Sie weiß nicht weiter, will nicht mehr, möchte sich nur fallen lassen, nichts mehr fühlen, nichts mehr spüren, einfach nur Ruhe finden. Alles hat die Bedeutung verloren.

Der Wind spielt mit ihren Haaren. Es ist fast so, als streichelt er ihr sanft über den Kopf. Sie gibt sich nur der Natur um sich herum hin, sie öffnet sich ihr. Die Nacht bricht ein, leuchtende Sterne spiegeln sich in den Wellen. Sie hebt den Kopf, sieht zum Firmament empor. Tausende kleine funkelnde Lichter, so strahlend wie Diamanten auf schwarz samtigen Hintergrund, sie geben ihr das Gefühl klein zu sein in der Unendlichkeit des Lebens. Sie geben ihr aber auch neuen Mut, denn sie zeigen ihr, dass es noch mehr gibt, dass sie nur einen kleinen Teil allen Lebens erfasst hat.

Die rufende Stimme des Sees verhallt, sie hat ihre Macht verloren, die Frau hat den Bann gebrochen. Sie mag sich im Moment zwar einsam fühlen, aber tief in ihren Innern hat sie eine Stärke entdeckt, von der sie noch nichts wusste.
Einmal blickt sie noch über das Wasser, hebt stumm die Hand, wie zum Abschied, dann dreht sie sich um und geht mit zielstrebigen Schritten den Lichtern der Stadt entgegen.

© Morgan MacAilis
Brief meines Herzens

Ich wollte dir nur mal mitteilen, dass ich nicht mehr mag. Ich brauche eine Ruhepause, Erholung, muss wieder zu Kräften kommen. Es war zu viel, es tat zu oft zu sehr weh. Und nie, wirklich nie, gönntest du mir Ruhe, Zeit um zu verarbeiten und in der ich mich hätte erholen können. Du machst es dir einfach, liebes Gehirn, du schaltest ab, lenkst dich ab, mich blendest du total aus. Schön und gut, wenn du damit klar kommst. Aber ich nicht. Ich kann mich nicht ablenken und verdrängen funktioniert bei mir auch nicht, denn Wunden werden nicht einfach so zu Narben und verblassen mit der Zeit. Sie entzünden sich, eitern und werden von Tag zu Tag schlimmer. Und wenn du mich weiterhin völlig alleine meinem Schicksal überlässt, dann vermag ich bald nicht mehr die Kraft aufbringen und falle auseinander. Und was willst du dann machen? Dann hilft dir auch alles Verdrängen und Ablenken nicht mehr, denn ohne mich bist du nichts, so wie ich auch ohne dich nichts bin. du magst zwar noch funktionieren, aber ohne redes Gefühl. Willst du das wirklich? Also lieber Verstand, du solltest nun eigentlich wissen was zutun ist, wenn du nicht eines Tages in leerer Dunkelheit da stehen willst....

© Morgan MacAilis


Es geschah im Nebel

Von Nebel umhüllt bannte ich mir den Weg durch die Dunkelheit. Ein kalter Schauer lief meinem Rücken herunter.
Waren dort Schritte hinter mir zu vernehmen oder spielte mir meine Phantasie einen Streich? Ängstlich schaute ich mich um, doch ich konnte nichts erkennen. Gehetzt lief ich weiter am Flussufer entlang. Sah weder nach rechts, noch nach links, ich wollte nur noch dieser beängstigenden Dunkelheit entkommen.

Da.... ich drehte mich schnell um. Da war es wieder dieses Geräusch, welches mir durch Mark und Knochen ging. Was sollte ich machen, mich verstecken, doch wo? Weiterrennen und hoffen, dass es nur eine streuende Katze wäre?
Vor Angst war mir, als sei meine Kehle zugeschnürt. Ich begann zu zittern. Bizarre Bilder erstochener Menschen, zu Tode gequält, erschienen vor meinem inneren Augen. Nackte Angst beherrschte meine Gedanken. Nichts konnte mich mehr an diesem Ort halten, ich lief los, schneller und schneller.
Nur noch schemenhaft nahm ich meine Umgebung um mich herum wahr. Mein Herz raste. Bis in meinen Hals konnte ich seine Schläge spüren. Ich bekam Seitenstechen, doch ich hörte nicht auf zu rennen. Suchte nach Hilfe, nach Schutz, doch nichts in Sicht, ich war alleine.

Die Schritte kamen unaufhörlich näher, es gab kein Entkommen mehr. Eine Stimme war zu vernehmen, eine männliche, aber ich konnte die Worte nicht verstehen.
Ich stolperte, konnte mich gerade noch rechtzeitig fangen, sonst wäre ich gestürzt. Dadurch jedoch verlor ich Zeit, kostbare Sekunden.

Ich war am Ende meiner Kräfte, alles tat mir weh, doch ich konnte nicht aufgeben, wollte mich dem Unausweichlichem nicht stellen. Kampflos würde ich mich nicht ergeben, ich sah mich nach einer Waffe um, irgendeinen Gegenstand, mit dem ich mich verteidigen konnte, doch ich sah nichts.
Tränen der Hoffnungslosigkeit traten in meine Augen, schnell wischte ich sie weg. Allen Mut zusammennehmend drehte ich mich um, wollte nicht mehr rennen. Ich wollte meinem Verfolger entgegentreten, ihm mutig in die Augen sehen. Und das tat ich auch.
Er kam mit schnellen Schritten auf mich zu gelaufen.
Mein Herz setzte den Bruchteil einer Sekunde aus, bevor es um so schneller zu rasen begann. Aber nicht mehr vor Angst, sondern aus Erleichterung, denn vor mir stand niemand anderes als mein Freund. Er nahm mich in die Arme und ich habe mich noch nie so erleichtert gefühlt. Seine Frage, was ich denn hätte, konnte ich ihn nur mit einen langen Kuss beantworten. Schweigend gingen wir nebeneinander nach Hause.

Fazit der Geschichte: Ich habe gelernt, dass ich nicht einfach so kopflos wegrennen, sondern mich erst einmal vorsichtig vergewissern sollte, ob ich wirklich in Gefahr bin.

© Morgan MacAilis 3. Januar 2000
Karussell

karussell der gedanken und gefühlen, niemals stillstehen, ein meer aus verschwommenen farben, die in windeseile die warnnehmung für das wesentliche trüben. erschöpft die augen schliessen, doch im kopf dreht es sich weiter, breitet sich im restlichen körper aus. nicht zur ruhe kommen und doch nichts greifbares, nichts was einem halt gibt. abwärts drehende spirale und ich kralle mich verzweifelt an dem mir noch vertrautem fest.... warte darauf, dass das karussell eine pause einlegt, die normalität wieder hergestellt wird.... oder erreiche den punkt, wo ich aus reinem überlebensinstinkt heraus jeden gedanken, jede wahrnehmung, jedes gefühl ausblende.... und ich weiss, es ist wieder mal nur eine karussellfahrt, die irgendwann endet und die erinnerung daran verbalsst...

© Morgan MacAilis Oktober 2016


Traumhaft

Ein Mann hält sie in den Armen, er streichelt ihr sanft über den Rücken. Sie ist zu keinen Gedanken fähig, gibt sich nur den Berührungen der Hände hin. Sie stehen auf einer Wiese voller blühenden Blumen, die einen betörenden Duftverbreiten. Zwei Pferde grasen ein Stück weiter. Das eine ist eine Stute, ein weißes stolzes Tier, das andere ein tiefschwarzer Hengst. Sie stecken verliebt ihre Köpfe zusammen und reiben zärtlich ihre Nüstern aneinander.

Der Mann nimmt die Frau auf die Arme, als wäre sie nicht schwerer wie eine Feder und legt sie behutsam auf eine weiche, weiße Decke. Sie hat das Gefühl zu schweben, sie fühlt sich so frei, so vollkommen glücklich und zufrieden. Er legt sich neben sie und streichelt sanft ihre Haare.
Der Träger ihres Kleides ist zur Seite gerutscht und der Mann streift auch den anderen von ihrer Schulter. Sein Blick ist voller Leidenschaft, lässt die Frau erschauern. Ihr ganzer Körper verlangt nach seiner Zärtlichkeit, nach seinen Berührungen. Erwartungsvoll schließt sie die Augen und bietet ihn ihren Mund dar. Ganz sanft, fast wie die Schwingen eines Schmetterlings streifen sich ihre Lippen. Ein Schauer läuft ihren Rücken runter, breitet sich in ihren Innern aus. Ihre Körper reiben sich aneinander. Immer leidenschaftlicher berühren sich ihre Lippen, können nicht voreinander lassen. Sie spürt seine Hände überall, kann kaum noch atmen. Er hat ihr das Kleid geöffnet, sie hat es nicht einmal gemerkt.
Sie kann sein Herz schlagen hören, es schlägt im gleichen Rhythmus wie ihr's. Sie öffnet die Augen, will ihn sehen, will in seinen Augen lesen, ob es ihn genauso ergeht wie ihr. Sein Blick ist verschleiert, genau wie ihrer. Sie hat das Gefühl zu vergehen, will ihn überall berühren, spüren. Ungeduldig versucht sie sein Hemd zu öffnen, sie hört Stoff reißen, doch es spielt keine Rolle, sie will nur seine Haut mit ihrer bedecken. Seine Hand hat sich einen Weg zum Hügel ihrer Weiblichkeit gesucht. Ein Strudel hält sie gefangen, reißt sie mit sich. Sie windet sich unter ihm, hebt sich ihm entgegen, doch er gibt ihr nicht das, wonach sie verlangt, wonach ihr Körper verlangt. Er zieht seine Hand zurück, umfasst spielerisch ihre Brust. Ihr ganzer Körper zittert, ihre Lippen beben, wollen liebkost werden. Ihre Hände graben sich in seine Haare, ziehen seinen Kopf zu sich hinunter.

Alles hat die Bedeutung verloren, für sie zählt nur noch die Erfüllung ihres Verlangens.
Doch er kommt ihr nicht entgegen, reizt ihren Körper nur immer weiter, peitscht ihr Inneres immer mehr auf. Sie hat vergessen wie sie heißt, hat vergessen wer sie ist, sie glaubt zu sterben, weiß nicht was er mit ihr macht. Wellen der Lust tragen sie höher und höher, sie scheint zu schweben. Doch sie kommt nicht zur Ruhe, seine Hände beginnen sie von neuem zu reizen. Sie schreit, will ihn in sich spüren, doch er will keine Erfüllung finden, will nur sehen und fühlen, wie sie immer und immer wieder durch ihn Erfüllung erlangt. Er will ihr alles geben, doch für sich selber nichts nehmen.

Schweißgebadet öffnet die Frau ihre Augen. Verwirrt schüttelt sie ihren Kopf, um sie herum ist alles dunkel, alles kalt. Sie ist alleine.
Es war nur ein Traum, ein sehr intensiver Traum, doch leider eben nur ein Traum.

© Morgan MacAilis
Atempause

Ich fühle mich frei, frei, frei. Erleichterung, Ruhe, Freude, FREI. Ich kann atmen. Keine Belastung, kein ständiger Krieg, keine Gedankenqual, kein Druck, keine Verpflichtung. Ruhepause. Frei, für den Moment. Erholung, neues Auftanken der Kräfte für die nächste Phase.

© Morgan MacAilis 23.10.2017


Geheimer Ort

Ungeraucht verglüht die Zigarette im Aschenbecher, ich merke es nicht mal. In Gedanken bin ich weit weg, an einem Ort, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Ein Ort, den ich mir selber erschaffen habe, an dem es keine Ungerechtigkeiten gibt, kein Streit, kein Hass.

Rosa Wolken ziehen am Himmel entlang. Eine Möwe kreist über die Landschaft. Die Sonne versinkt silbrig im azurblauen Ozean.

Die Geräusche, die mein Ohr vernimmt, klingen wie aus weiter Ferne, sie können mich nicht treffen, nicht hier. Ich tauche tiefer ein in die Ruhe, die für meine Seele wie Lebenselixier ist. Die Stimmen werden leiser. Schließlich verklingen sie ganz. Früher war es mal anders, früher gab es kein Entkommen. Früher - aber die Zeit ist vorbei. Nichts bringt die Seele mehr zum Weinen, nichts lässt das Herz bluten.

Doch ziehen hin und wieder auch an diesen einzigartigen Ort graue Wolken übers Land. Sie bringen die Gewissheit mit, dass die Zeit gekommen ist, ins Leben zurückzukehren. Aber auch die Hoffnung, dass egal was auch geschehen wird, dieser geheime Ort das zweite, sichere Heim bleiben wird. Und durch diese Hoffnung fällt mir alles etwas leichter.
Eine einsame Träne läuft mir dann über das Gesicht. Eine Träne des Glücks und gleichzeitig der Trauer.

Ich weiß nicht mal mehr, wann ich mir diesen Ort erschaffen habe. Weiß nicht mehr, wann mein Seele so gequält war, dass ich meinte ersticken zu müssen. Vielleicht gab es diesen Ort ja schon immer, nur habe ich ihn nicht gesehen. Vielleicht hat jeder Mensch tief in sich drin auf gleiche Art eine Quelle des Friedens erschaffen.

Sicherlich, man könnte jetzt sagen, es ist alles Selbstbetrug, vielleicht stimmt es sogar, aber jeder Mensch braucht doch einen Ort der Ruhe für sich ganz allein. Und wenn man sich aus eigener Kraft erholt, ist es doch auch nicht falsch, oder?

© Morgan MacAilis 23.12.2016
Erinnerungen

die erinnerung ist so eine sache....
vieles verblasst mit der zeit und an kleine unwichtige sachen erinnert man sich aus heiteren himmel wieder....
aber wirklich bewegende momente, die gehen nie ganz, sie hinterlassen ihre abdrücke tief in einem, sein sie nun schmerzhaft oder beglückend, sie schwirren einen zwar nicht unbedingt ununterbrochen in den gedanken rum, aber ab und an erscheinen sie an der oberfläche....
und hin und wieder wünscht man sich von ganzen herzen, man könnte einfach nur vergessen.... oder noch mal erleben....

© Morgan MacAilis


Zeit im Wandel

Die Zeit schreitet voran, aus Sekunden werden Minuten, die sich zu Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre vermehren. Die Welt im Wandel, die Menschen im Wandel.

"Früher war alles besser...." Ja, früher, als ich ein Kind war. Die Welt war groß, ich war klein. Das Weltgeschehen ging an mir vorbei, ein aufgeschlagenes Knie war viel schlimmer. Ja, früher, als ich noch unvoreingenommen in die Welt blickte, als ich unvoreingenommen auf meine Mitmenschen zu ging. Ja, da war alles besser. Nur war es da nicht wirklich besser, nur halt in meiner kleinen kindlichen Welt.

Terror, Gewalt in Familien, Mord, Raub, Krieg, all das gab es schon immer, mal mehr, mal weniger. Es drang nur nicht in meine kleine kindliche Welt ein, oder nur am Rande.
"Das gab es früher alles nicht, die Welt ist am Abgrund, was ist nur aus der Welt geworden?"

Was es früher nicht gab waren die sozialen Netzwerke und die ganzen technischen Geräte, die diese Netzwerke erst ermöglichen. Ungefiltert kann jede voreingenommene Meinung, die teilweise nicht mal auf Tatsachen beruht, sondern diese verzerrt, frei weltweit verbreitet werden. Die jeder dann mit seinen eigenen Meinungen mischt und es entsteht ein verzerrtes Weltbild, geprägt voller Hass, Ängste und Vorurteilen. Der Mensch hört auf nachzudenken, wirklich nachzudenken. Er saugt Schlagwörter in sich auf, bildet sich durch diese seine Meinung. Kaum etwas wird hinterfragt und auf Wahrheitsgehalt geprüft.

Früher war alles besser.... ja ne is kla. Kommt mal klar und versucht doch mal eure Unvoreingenommenheit abzulegen.

"Ich habe Angst um meine Kinder, die Welt wird immer schlimmer." Dann lebt euren Kindern doch nicht diesen Hass vor, nicht diese ganzen negativen Gedanken. Ja, es gibt böse Menschen, aber auch gute. Es gibt verrückte, kranke, durchgeknallte Menschen. Aber auch hilfsbereite, aufopferungsvolle, gütige Menschen. Gab es schon immer, wird es auch immer geben.

Die Welt ist im Wandel, die Menschen sind im Wandel. Stimmt, hasserfüllter, gedankenloser, voreingenommener, oberflächlicher, egoistischer und kälter....
Nur Ausnahmen bestätigen noch immer die Regel....

© Morgan MacAilis 26.7.2016
Kopien - Gedankengänge

- Die Breite Masse, grau in grau, keinerlei Konturen mehr zu erkennen, verschwommen als Eins wahrnehmbar.
- Anders sein, ohne bewusst auffallen, sich hervorheben zu wollen. Einfach nur man selber sein, individuell, wie eigentlich jeder sein sollte.

Einer lebt etwas vor und schon sprießen die Abbilder wie wild aus dem Boden. Und wie Abbilder nun mal sind, sind sie nur Kopien, nicht das Original. Und wie dieses werden sie auch nie sein. Denn das Kopierte legt sich nur auf schon Vorhandenes, überschreibt es. Meist nur unvollständig und etwas vom Überschriebenen schimmert weiterhin durch. So mag sich zwar etwas Neues gebildet haben, es mag auch individuell sein, aber je nach Blickwinkel schimmert mehr das Eigene oder aber mehr das Kopierte durch. Ist man dann noch man Selbst? Ist man dann zum Teil jemand anderes? Oder kann es unter Weiterentwicklung verbucht werden?

Und wie weit darf das alles greifen? Wie viel kann man von anderen übernehmen ohne sich dabei dann letztlich doch selber zu verlieren? Wie lange dauert es, bis man konturlos im Grau und Grau der Kopien verschwindet?

© Morgan MacAilis 23.12.2016


Blicke

Ein Raum voller Leute, die sich nicht kennen, laute Musik aus den Boxen an der Wand. Zigarettenqualm brennt in den Augen. Gesichter ohne Namen, ich fühle mich alleine in dieser Menschenmenge. Doch dann habe ich das Gefühl angestarrt zu werden. Ich drehe mich um, doch ich vermag niemanden auszumachen, der mich ansieht. Ein Schauer läuft über meinen Rücken, ich kann dieses Gefühl nicht verdrängen. Meine Augen schauen gehetzt um mich herum, nervös zünde ich mir eine Zigarette an.
Ich bestelle mir einen Drink, führe das Glas an meine Lippen, nehmen einen kleinen Schluck. Das Gefühl wird immer intensiver, ich kann nicht sagen, ob es jetzt ein angenehmes Gefühl, oder ein unangenehmes ist.
Ich frage mich, wer beobachtet mich und aus welchem Grund? Will er oder sie mich kennenlernen oder ist es ein Bekannter? Ich kann an nichts anderes mehr denken, nur an die Augen, die mich wahrnehmen, die ich aber nicht erblicke. Ich fühle mich hilflos, aber auch neugierig. Ich sehne mich danach in diese Augen zu sehen, die mich nicht loslassen wollen.
Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben, doch ich bleibe stehen, ich fühle mich wie verzaubert, als wenn jemand einen Bann über mich gesprochen hätte.

Es wird später, der Raum wird leerer. Noch immer kann ich kein bestimmtes Gesicht ausmachen. Ich werde angesprochen, doch ich reagieren nicht. Die Stimme nimmt mich nicht so gefangen wie die unsichtbaren Blicke. Was soll ich machen, wie soll ich reagieren, wenn er mich anspricht? Ich weiß inzwischen, dass es nur ein Mann sein kann, warum ich das weiß, kann ich jedoch nicht sagen. Mein Körper ist angespannt, in meinem Kopf beginnen sich Bilder zu bilden, voller Verlangen und Erotik. Ich kann mich einfach nicht dagegen wehren. Alles erscheint mir so unreal, ich fühle mich gefangen und das nur, weil ich Blicke auf meinen Körper spüre. Doch ich will mehr. Ich möchte nicht nur angesehen werden, er soll mich auch genauso intensive anfassen. Nicht nur Augen sollen mich berühren, auch Hände. Schweißperlen bilden sich auf meiner Haut, ich kann nur noch stoßweise atmen. Alles um mich herum ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Meine Brust hebt und senkt sich immer schneller, ich brauche eine Abkühlung, schnell kippe ich den Inhalt meines Glases herunter. Langsam bewege ich mich zur Theke, ich bestelle mir einen neuen Drink.
Dann plötzlich fühle ich mich allein, verlassen, kann keine Blicke mehr auf mir spüren. Ängstlich schaue ich mich um. Wo ist er geblieben? Tränen schimmern in meinen Augen. Habe ich ihn verloren, bevor ich ihn überhaupt kennenlernen konnte? Ich muss hier raus, muss meinen Kopf frei bekommen. Was ging hier vor, habe ich mir das alles nur eingebildet, hat mein Verstand mir einen Streich gespielt, oder eher mein Körper? Ich fühle nur noch Verwirrung und Leere in mir. Schnell bahne ich mir den Weg zum Ausgang. Ich wusste, ich hatte etwas Besonderes gefunden und im gleichen Moment wieder verloren. Einsam ging ich nach Hause und dachte die ganze Nacht über die Geschehnisse nach.

Eine Woche später war ich wieder in dieser Bar. Viele fremde Gesichter, laute Musik und viel Zigarettenqualm. Alles wie gehabt, doch ich konnte keine Blicke spüren. An diesem Abend erfuhr ich, dass sich letzte Woche ein Mann nach mir erkundigt hat. Er sagte, er habe mich gesehen und sofort Liebe empfunden, doch er konnte mich nicht ansprechen. Es war ihm, als ob er unter einen Bann gestanden hätte. Erst als er mich nicht mehr sehen konnte, fragte er nach mir. Doch ich war unauffindbar.

Seitdem kam ich jeden Abend hierher zurück, doch ich habe ihn niemals wieder gespürt.

© Morgan MacAilis


Gefangen

Ein leises Rauschen ist zu hören, doch ich vermag nicht auszumachen welchen Ursprung diese Geräusch hat. Schweiß perlt sich auf meiner Haut, schmecke ihn als mein Zunge über meine Lippen fährt. Leise stöhne ich auf. Meine Nerven sind angespannt, mein ganzer Körper wie elektrisiert. Ein Schauer jagt mir über den Rücken, aber ich verharre reglos, schweigend, wappne mich innerlich auf das was geschehen wird.
Draußen fahren Autos vorbei, doch das ist für mich ohne Bedeutung, alles was mich interessiert spielt sich hier im Raum ab, unmittelbar in meiner Nähe. Die Spannung wird unerträglich, doch ich verhalte mich weiterhin ruhig, zähle die Sekunden bis etwas geschieht. Lausche angestrengt, doch kann nicht das kleinste Geräusch ausmachen. Ich will meine Hand heben, trotzig meinen Kopf in den Nacken werfen. Aber gerade als ich es wage, schließt sich eine Hand um mein Gelenk, ich zucke zusammen, beginne zu zittern, während diese Hand langsam meiner Arm hochwandert und eine heiße Spur hinterlässt. Ein Feuer breitet sich in mir aus und scheint mich zu verzerren. Mein Herzschlag beschleunigt sich, ich habe das Gefühl als würden meine Beine jeden Moment unter mir nachgeben.
Mittlerweile ist die Hand an meinem Hals angelangt. Doch ganz plötzlich ist sie weg. Ein Gefühl der Leere macht sich in mir breit, aber ich verdränge es schnell. Verlassen komme ich mir vor, aber ich zeige keine Schwäche, bleibe stumm, strecke trotzig mein Kinn vor und beiße die Zähne zusammen. Eisern bleiben, jeder Regung zuunterdrücken, ist nur noch mein einziger Wunsch, mein einziges Bestreben.

Plötzlich spüre ich eine Bewegung, fühle eine Hand in meiner Hand und ehe ich in irgendeiner Art und Weise reagieren kann, wird mein Kopf mit Gewalt nach hinten gerissen. Im nächsten Moment schon fühle ich harte Lippen auf meinen weichen. Eine Zunge versucht sich in meine Mundhöhle zu schieben, aber ich wehre mich stumm. Bleibe kalt, auch wenn sich alles in mir danach sehnt nachzugeben. Lange vermag ich der Hitze in mir nicht mehr stand zuhalten. Heißer Atmen streift mein Gesicht, mein Mund ist wieder frei, ich atme tief durch und unterdrücke das Gefühl erneuter Leere. Alleine, verlassen, so fühle ich mich, will es aber nicht, keine Schwäche zeigen, keinen Gefühlen nachgeben. Es wäre sonst mein Untergang, es würde kein Zurück mehr geben, alles Vertraute wäre für immer verloren.
Langsam beruhigt sich mein Herzschlag wieder und ich wage es aufzuatmen. und doch weiss ich, dass es kein entkommen gibt. Das Sehnen, welches tief in mir herrscht breitet sich unaufhaltsam aus. Gedanken, verwirrend und beängstigend, gleichzeitig auch faszinierend und berauschend, benebeln meinen Verstand. Es wäre so einfach sich fallen zu lassen, alles hinter sich zu lassen und frei von dem Druck zu sein, der einen lähmt. Wäre da nicht dieser kleine Rest von Angst, von dem Stolz mal ganz abzusehen. Vertrauen, nein, zu gefährlich, man würde nur leiden, also heißt es weiter die Starke zu sein, keine Schwäche zeigen.

Mit einen Ruck werde ich umgedreht. Alle Gedanken sind vergessen. Schwindelig halte ich den Atmen an. Schließe die Augen, habe kaum noch Kraft in mir. Ich höre ein leises Lachen und schaue schnell auf, doch es gefällt mir nicht was ich sehe und so senke ich meinen Kopf wieder. Zu intensive war mir dieser Blick, zu aufwühlend. Ich beginne mich zu fragen, wogegen ich eigentlich so verbissen ankämpfe und ob es irgendetwas bringt, ob ich nicht letztlich doch nachgeben werde. Und tief in mir möchte ich mich schon gar nicht mehr wehren. Trotz allem ist noch ein kleiner Funke in mir, der mich nicht reagieren lässt. Langsam hebe ich den Kopf, öffne die Augen, stelle mich mutig der Wahrheit, vermeide es jedoch zuviel von mir preiszugeben.

Meine Augen mögen zwar voller Tränen sein, mein Blick jedoch ist noch nicht gebrochen. Ich sehe seinen Mund näher kommen und einen Herzschlag lang möchte ich fliehen, doch dann ist alles zu spät. Seine Lippen senken sich auf meine nieder und alles andere scheint restlos an Bedeutung verloren zu haben. Ich gebe mich meinen Gefühlen hin, öffne mein Herz, auch wenn ich mich damit sehr verwundbar mache, aber zu lange spielte ich die Harte, Unnahbare. Zulange war ich alleine und ließ nichts an mich herankommen. Ein Gefühl der Erleichterung mischt sich mit dieser alles verzerrenden Leidenschaft und ich fühle, wie der Eispanzer um meinem Herzen in der Glut des Augenblicks schmielz. Alle Angst fällt von mir ab. Wie von selbst heben sich meine Arme, finden seinen Nacken und zieheng seinen Kopf noch näher. Wie eine Ertrinkende klammer ich mich an ihn und geniesse seine Stärke, durch die ich immer schwächer werde, immer mehr Ich werde. Jeder Gedanke ist ausgelöscht, ich bestehe nur noch aus Gefühl. Fühle mich nur noch frei. Lebendig, wie nie zuvor in meinen ganzen Leben.

© Morgan MacAilis
Frei

Ich befinde mich in der unendlichen Leichtigkeit des Seins. Meine Gedanken durchwandern spurenlos mein Inneres. Sie sind nicht erdrückend, nicht verwirrend, sie sind nicht zu fassen, schweben am Randes des Wahrnehmbaren. Ich bin erleichtert, fühle mich frei. Fühle mich leicht, schwebend im Wind der Gefühle, ohne haltende Gedanken. Mein Kopf ist still, quält mich nicht. Ich bin voller Ruhe und voller Melodien, die in mir erklingen, die mich zum Vibrieren bringen.
Gedankenlos bildet sich eine einzelne Träne in meinen Auge, bahnt sich ihren Weg über meine Wange und fällt lautlos auf den Boden. Hinterlässt nichts ausser einer schimmernden nassen Spur.

© Morgan MacAilis Oktober 2017


Winterzeit

Gehetzte Leute, weihnachtliche Kälte, ich sitze hier in einem Café, trinke in Ruhe einen Cappuccino und schaue aus dem Fenster. Ich sehe viele Menschen, sie eilen rastlos umher, sind auf der Suche nach Geschenken für ihre Lieben. Spaß scheint es keinem zu machen. Der alljährliche Vorweihnachtsstress ist eingetreten, es herrscht keine besinnliche Zeit, nein nur Konsumrausch.
Eine Frau zieht ein kleines Kind hinter sich her, es möchte so gerne eine Tüte gebrannte Mandeln, aber die Mutter zieht es unaufhörlich mit sich, sie hat keine Zeit.

Ich kann mich nur wundern. Was bedeutet Weihnachten eigentlich heute noch?
Es ist doch nur noch ein gegenseitiges Beschenken, meistens bekommt man auch nur Sachen, die man jahrelang in irgendwelchen Schränken versteckt. Wenn Tante Uschi, von der man eine absolut hässliche Tischdecke bekommen hat, zu Besuch erscheint, holt man sie schnell hervor und legt sie auf dem Kaffeetisch. Tolle Geschenke.
Doch ist Weihnachten nicht eigentlich anders gemeint? Sollte man nicht in sich gehen, und auch an andere Menschen denken? Weihnachten ist doch eigentlich Christi Geburt.
Nicht dass ich jetzt besonders gläubig bin, aber mir kommt der ganze Weihnachtsrummel doch sehr verlogen vor, darüber sollten wir Menschen uns Gedanken machen.

Ich habe mein Getränk ausgetrunken, stehe auf, bezahle und trete hinaus in die Menschenmenge.
Was muss ich noch holen? Ach ja, meine Tante.... sie bekommt von mir irgend etwas, was sie auf die Fensterbank stellen kann. Was soll ich meiner besten Freundin schenken? Kaufen wir ihr mal wieder ihr Lieblingsparfum.

Man, ich bin auch nicht besser als all die anderen hektischen Menschen um mich herum, dabei habe ich mir wie jedes Jahr vorgenommen, diesmal nicht so unpersönliche Sachen zu verschenken, ach man, ich bin halt auch nur ein Mensch....

Frohe Weihnachten!

© Morgan MacAilis 16. Dezember 1999
Manchmal

Manchmal fühle ich mich absolut leer, unvollkommen, unvollständig.
Gedanken, die nicht zu packen sind, durchwandern mein Inneres und legen sich schwer auf mein Herz, welches sich kalt und abgestorben anfühlt. Ich möchte weinen, doch meine Augen bleiben leer, so als ob mich alle Flüssigkeit verlassen hätte.
Stumm starre ich die Wand an. Es ist nichts da. Kein Lachen, kein Weinen, einfach nur absolute alles verschlingende Leere. Keine Sehnsucht, kein Schmerz, keine Trauer, kein Glück. Ich habe das Gefühl an dieser Leere zu ersticken, in ihr zu ertrinken, und verspüre nicht mal die Kraft und den Wunsch nach Hilfe zu rufen und einen Rettungsring zu ergreifen. Ich möchte mich einfach nur fallen lassen und in eine absolute Dunkelheit eintauchen, in der alles aufhört zu sein und auch die Leere ihren Sinn verliert und sich ins Nichts auflöst....
So wie ich mich dann auch....

© Morgan MacAilis Februar 2014


Wasser, Kaffeepads, Whiskey.

Kein Zucker, keine Milch, aber Wasser, Kaffeepads und Whiskey.... ich baller mich wech.

Die Welt spielt verrückt - Kalt, Materialistisch, Egoistisch, Empathielos, Oberflächlich. Nicht immer.... Nicht überall.... Ich weiss.... Aber im Grossen und Ganzen - um es auf einen Nenner, auf den Punkt, zubringen - jetzt.... hier.... für mich.... ist so....

Es ist kein Scherz wenn ich sage, ich will meine eigene einsame Insel. Ich bin es leid das Wesen anderer Menschen in mich aufzusaugen. Habe keine Kraft ihre Banalitäten, die für sie keine sind - will hier nichts und niemand unterstellen in meinen Augen unwichtig zu sein - in mein Denken einfliessen zu lassen. Keine Kraft ihre Empfindungen nachzuempfinden. Und doch kann ich mich nicht wirklich davor schützen, mich nicht dagegen sperren, wehren.

Ich wünsche mir Kopfesleere und lebe schon in ihr - Selbstschutz - solange bis die Leere mit verdrängten Gedanken, Empfindungen, Gefühlen gesprengt wird. Ich ertrinke an trockenen Gedanken und meine Seele zerbricht an rosafarbenden Wattebällchen der Sinnlosigkeit.

Was soll der ganze Scheiß?

Werte? Öhm.... ja klar, haben wir die alle - jeder für sich.... mit verschiedenem Stellenwert. Wichtigkeiten? Unwichtiges? Klar, hat auch jeder.... nur die Prioritäten sind anders gesteckt. Ist auch gut so, wir Menschen sind schliesslich alle individualistisch.

Blind? Die Augen verschlossen? Nicht wirklich - Selbstschutz - ist halt so.

Und meine Gedanken drehen sich im Kreis.... um sich selber.... Und verlieren sich auch kreis-drehend.... in sich selber....
- während irgendwo auf der Welt etwas zum Wohle der Menschheit - sagt man zumindest - beschlossen wird.
- während irgendwo auf der Welt ein paar Verrückte - sagt man so - mit Waffen ein paar andere wahllos abknallen.
- während irgendwo auf der Welt soviel andere Scheisse passiert....
Mir platzt der Schädel....

Kein Zucker, keine Milch, aber Wasser, Kaffeepads und Whiskey.... ich baller mich wech.
Und egoistisch prostet mir mein Spiegelbild - mit einen ironischen Lächeln auf den Lippen - zu.

Gute Nacht Welt.... du kannst mich heute mal!!!!

© Morgan MacAilis 22.7.2016
Wach auf!

wenn du aus deinem traum erwachst und die realitaet dich mit voller macht trifft, oeffne deine augen und du wirst sehen, dass viele haende da sind, die nur darauf warten dir halt zu geben. doch es liegt nur an dir, diesen weg zu waehlen. die realitaet mag vielleicht nicht immer schoen sein, aber einen traum zu leben, der weder real ist, noch wirklich gluecklich macht, bringt auf lange sicht nur schmerzen und leere....

© Morgan MacAilis 13.1.2014

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